Freitag, 6. Januar 2017

Die Bienenbesitzer des Prenzlauer Bergs

Hey Leute!

Wie ihr bereits wisst wohne ich seit einigen Monaten in Berlin. Was ihr noch nicht wisst: Meine Mietverhältnisse sind zeitlich begrenzt. Heißt, ich wohne zur Untermiete. Die letzten drei Monate verbrachte ich in Weißensee zur Grenze - Prenzlauer Berg. Ein ruhiger Ort, den man bis vor die Haustür mit der Tram 12 erreiche konnte. Der Weg zur Schauspielschule und anderen Orten wie der Schaubühne war jedoch mit mehr Aufwand verbunden. Die 12er, dann U2, dann noch die U5, manchmal auch andere Linien.

Da die Tochter unserer Vermieterin von ihrem dreimonatigen Auslandsaufenthalt zurück kommt, brauchten wir also schnell eine neue Wohnung. Obwohl Weißensee ein ruhiger und entspannter Ort ist, war uns klar: Wir wollen näher an das Zentrum, näher an Menschen. Denn Weißensee ist verschlafen. Wir hatten noch das Glück mit der Straßenbahn unsere Ziel schnell zu erreichen. Nachts ab 12 am Wochenende ist dann jedoch Schluss. Der Bus zum CleverFit in Richtung Outback fährt am Wochenende garnicht. Eines kann ich euch sagen: Das nichts wartet.

Wir wollten aber nicht zu weit weg. Zum einen wird der Umzug (wir haben nicht viel, aber ich habe eine sperrige Matratze - später mehr) damit nur verkompliziert und zweitens fanden wir die Gegend von den Menschen her sehr interessant. Mit der U2 sind wir bis zur Station Eberswalder Straße gefahren. Ganz genau! Das ist Mitte-Prenzlauerberg. Also nicht Mitte, sondern die Mitte des Prenzlauerbergs. In Berlin wird es manchmal schon zur Kunst Ortsangaben auszudrücken.

Wo Weißensee'er etwas verschlafen sind, fängt die Spanne der authentischen Prenzlauer-Charaktere erst an. Vegan, Hip, vieler Kinder im Bezirk und industriell-rustikal eingerichtet. Der Prenzberger ist Up-To-Date und auf dem neuesten Stand. So meint er zumindest. Er schafft sich in seinem Viertel ein wohlfühl-Klima und hat einige besondere Hobbys und Angewohnheiten vergangener Jahrzehnte. Er sammelt Schallplatten. Schmückt sein Zimmer künstlerisch-minimalistisch - lässt trotzdem viel clean und weißen Raum zum Nachdenken. Ihm ist es wichtig eine Meinung zu haben. Zu was? Egal! Standpunkte werden hartnäckig vertreten und die Welt durch gutes Handeln gerettet.

An sich hat der Umzug von Weißensee hierher gut geklappt. Es waren auch nur knapp 3 Kilometer und wir hatten somit keinen weiten Weg. Übrigens kann ich hier mal ein wenig Werbung machen und den Fahrzeugverleih "Robben und Wientjes" an der Prenzlauer-Allee herzlich empfehlen! Von der angeblich schlechten Laune der Mitarbeiter habe ich nur wenig gespürt. Den Wagen bekamen wir schnell und die Mitarbeiter hatten Kompetenz - wenn sie mit dieser auch etwas arrogant umgegangen sind. Nein, ich weiß nicht was die nächste Größe, größer als ein Caddy ist. Muss ich auch nicht.

Doch wo sind wir jetzt eigentlich gelandet? Unsere Vermieter des Prenzlauer Bergs sind super! Wir können hier zwar nur ein knappes Monat wohnen (bis Anfang Februar), was ein großer Malus ist, jedoch wollten wir wegen den Menschen einziehen. Sie verkörpern das typische Prenzberger-Paar. Doch eine Sache haben sie, die nicht typisch ist. Eine Bienenzuchtstation und Honigertragsanlage. (Wen nur dieses Thema interessiert kann jetzt weiterlesen.)

In unserer Wand sind im Esszimmer Bienenstöcke implementiert. Und nein, es ist nicht so als wäre das nicht beabsichtigt gewesen. Die Bienen halten sich in ihren Kisten mit den Waben auf und können durch ein ausgetüfteltes Rohrsystem durch die Hauswand nach außen fliegen. Auf einem Teil der Dächer wurden im Prenzberg kleine Gärten angelegt, wodurch sie ihren Nektar gewinnen können.
Vom Esszimmer aus lassen sich die hinter der Wand befindenden Kisten einsehen, indem man die Schublade aus der Wand zieht. Unser Vermieter, Peter, öffnet diese vier Schubladen jeweils ein Mal im Monat um die Waben zu entleeren und Honig zu gewinnen. Das heißt auch: Er steht mit Imker-Schutz im Esszimmer. Als wir dabei waren sah es sehr ulkig aus.

Wie man sich vorstellen kann müssen die ganzen vollen Honiggläser, die oft an die anderen Hausbewohner bei einem Straßenverkauf, dessen Erlös an wohltätige Zwecke fliest, verkauft werden, irgendwo gelagert werden. In der Küche gibt es einen kleinen Vorhang hinter dem sich eine kleine Speisekammer befindet. Dort lagern momentan über 100 Gläser Honig.

Und ja, auch wenn es Anfang ein komisches Gefühl ist mit Bienen zusammenzuwohnen, schätze ich, wird man sich recht schnell einleben. Am Abend, wenn man sie in der Stille hören würde, sind wir sowieso nicht im Esszimmer und leeren muss ich die Honigwaben glücklicherweise auch nicht.

Dafür gibt es jeden Morgen ein leckeres Honigbrot!

Und mit diesem verabschiede ich mich heute von euch. Bis bald, hier oder bei einem neuen YouTube-Video. Flo

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