Donnerstag, 13. Oktober 2016

Zurück in die Zukunft

Guten Abend ihr Lieben,

seit kurzem habe ich einen Sonos Play 5 und sitze damit nun in meinem Schlafzimmer halbliegend auf meinem Bett und tippe an der Wand gelehnt meinen Text. Ich möchte heute mal wieder ein wenig von meinen innerstersten, komplexen Gedanken erzählen.

"Meine Heimat und ich sind wie Schatten und Licht eng verbunden. Meine Heimat und ich sind verwand für den Rest dieser Zeit. Ich habe sie so oft verflucht, zu leugnen versucht, gemieden immer mehr jedes Mal fehlt sie mir. Weil ich hier her gehöre." - Anna Depenbusch (Heimat)

Mein Leben ist wie bereits schon oft angesprochen im Umbruch. Ich befinde mich geradewegs zur Tür hinaus in einen neuen Lebensabschnitt. Eigentlich stehe ich schon lange vor der Tür und finde den Schlüssel nicht mehr. Weil es keinen Schlüssel mehr für mich in meinem einst geliebten Zuhause gibt. Und eigentlich sollte mich das glücklich machen. Nach dem Abi geht mein Leben nun endlich weiter. Das bin ich auch! Ich darf bald das machen, was ich liebe: Theater. Sehr viel Theater! Und da gibt es überhaupt keinen Grund traurig zu sein.

Etwas melancholisch werde ich bei dem Gedanken dann aber doch, dass ich jetzt in die Großstadt Berlin gehe und meine Heimat zurücklassen muss. Diese von mir so oft verfluchte Heimat, der ich immer entrinnen wollte, der ich mich nie zugehörig fühlte - damit rächt sie sich. Alle anderen sind jetzt schon in einem anderen Land, ihrer Studentenstadt oder am anderen Ende der Welt. Manchmal wünschte ich bei mir wäre es schon eher los gegangen, ganz anders als ich es bis vor einem halben Jahr noch plante.

Da überlegte ich mir nämlich ein Jahr nur ein wenig in meiner Heimatstadt zu jobben, andere Freunde wollten mitmachen. Ich wollte mein gewohntes Nest nicht verlassen. Im Endeffekt bin ich jetzt sehr froh diesen große Schritt zu gehen, Zuhause ohne alle anderen würde ich es nicht aushalten. Ich hätte Angst etwas zu verpassen und ja - ich würde ein ganzes Jahr meines Lebens verschwenden. Nicht, weil ich ein Jahr länger brauchen werde um mein berufliches Ziel zu erreichen (das ist in unserer heutigen Zeit zum Alltag geworden - im Künstlerbereich sowieso.) Aber ich würde ein ganzes Jahr in Melancholie der letzten drei Jahre leben. Mich zurückerinnern an den Anfang am Gymnasium, die Schulvorstellungen im Schultheater und die ersten Schritte auf der Naturbühne vor 500 Zuschauern. Ich würde zurück denken an meinem ersten Schwarm (mit dem ich jetzt lustigerweise wieder Kontakt habe), würde an meine erste Liebe und Beziehung denken, die aus so vielen Gründen nichts werden konnte. Aber all das soll diesem Lebensabschnitt angehören. Und auch was gekommen wäre: All diese wunderschönen Ereignisse und Menschen wären ganz sicher aus meinem Leben getreten und hätten mich verlassen. Es ist jetzt an der Zeit selbst einen Schritt nach vorne zu treten.

Dazu zählt übrigens auch, dass ich momentan (anders als jemals zuvor in meinem Leben) sehr gerne, sehr viel Tee trinke (am liebsten Roibusch und Kamille), ich bin mir meiner Existenz bewusst (das aber in einem anderen Beitrag), ich habe einen tollen Menschen kennengelernt, den ich morgen wieder sehen darf und auf den ich mich schon sehr freue und weiß, dass Berlin eine tolle Zeit werden kann.

Und das Resultat dieses Posts: Ich muss unbedingt andere Musik hören! Oder nur die fröhliche Musik von Mia Diekow und Anna Depenbusch. Tüsn und besonders Lina Maly (die einen in den Abgrund zieht), werden komplett gestrichen.

Wie der Herbst in Berlin mein Leben verändert

Der Herbst ist in ganz Deutschland eingekehrt und wir werden ruhiger. Die Natur wird ruhiger und lässt goldene Blätter fallen. Doch mehr als nur Ruhe, verströmt der Herbst eine Art Frieden. Ein mildes Wetter, mit Sonnenstrahlen sowie Regentagen. Halbwegs bewölkt und im nächsten Moment etwas wärmer mutet er an. Es ist die Zeit in der wir wieder zu uns finden. Doch anders als viele glauben, es ginge etwas zu Ende, und den lauen Sommertagen nachtrauern, glaube ich es ist der Anbeginn von vielem Großen. Oft heißt es der Frühling bringe ein neues Jahr mit sich, die Blütezeit und eine farbenfrohe Natur. Das stimmt auch. Doch bevor etwas aufblühen kann, muss es erst wachsen und das braucht, wie wir alle wissen, viel Zeit. Ist der Winter eine Art Tiefschlaf und das Auftanken von neuer Kraft um im Frühling mit Energie sprießen zu können. So stellt der Sommer für mich das Ende des Jahres dar. Indem im Spätsommer die letzte Kraft verwendet wird um die letzten heißen Tage aufweisen zu können. Der Herbst ist die Mitte. Ein Ruhepol.

Doch warum erzähle ich euch all meine Gedanken über die Jahreszeiten? Ich war vor wenigen Tagen (Ende September - Anfang Oktober) für zwei Tage in Berlin. Eine für mich unvergessliche Zeit. Nicht weil Berlin, Berlin ist und ich als Touri mir die wichtigsten Sehenswürdigkeiten angeschaut habe, sondern weil es ein Besuch war, der mir im Hinblick auf meine Zukunft neue Türen öffnen konnte. War ich vor sechs Wochen für eine längere Zeit in Berlin, was nicht viel ertrag brachte, war jener Aufenthalt nur die Vorbereitung für eine kurze Anreise, bei der es das damals gesäte zu ernten gab. Ich war vor sechs Wochen teilweise von meinem Besuch ein wenig niedergeschlagen, hatte mir mehr erhofft und ging mit gemischten Gefühlen in meine Kleinstadt zurück. Doch hätte es diesen Aufenthalt nie gegeben, wäre dieses Wochenende nie zu Stande gekommen. Gleich nach dem hedonistischen Kalkül musste ich Schmerz erfahren, um Freude gewinnen zu können.

Doch was passierte, das mich zu diesen Worten verleitet? Ich hatte mein erstes Vorsprechen in Berlin an einer privaten Schauspielschule (Ja, es war noch keine Staatliche - die kommen erst noch) und es war ein Erfolg! Ab November werde ich dort Schauspiel studieren. Die Mitstudenten sind toll, die Dozenten auch klasse und im Gesamten ist es ein Gewinn an Erfahrungen, wenn auch nicht mein Ziel. Doch wann können wir schon von uns behaupten am Ziel angelangt sein.

- - - Updated - - -  Dieser Post ist in dieser Form schon eine Woche alt. Ich möchte nicht weiterschreiben, weil er meine Gefühle und Emotionen, meine Gedanken und Strukturen in diesem Moment festhält. Es ist nicht die Zeit, um all dies mit neuen Emotionen zu verderben. Am Freitag geht es wieder nach Berlin und ich habe dort einen tollen Menschen kennengelernt, weswegen es mich noch mehr freut wieder nach Berlin auf Wohnungssuche zu gehen.

Die letzten Zeilen möchte ich nutzen um noch einen kleinen Musiktipp zu geben: Lina Maly mag die Grenze zwischen Romantik und Kitsch zwar an manchen Stellen überschreiten und ist ihre Melancholie und Freude kein Vergleich zu Anna Depenbuschs Dramen und Mia Diekows Verspieltheit, doch einen Blick ist sie allemal wert.

Und damit verlässt dieser Blogeintrag seine Werkstatt und macht sich breit unter den Lesern, viel spaß damit und ein paar ruhige Momente, so wie ich sie heute erleben durfte.