Sonntag, 18. September 2016

Ignoranz

Hallo ihr Lieben,

gestern brach nach wochenlangem Sonnenschein der Herbst in unseren Alltag und unsere Herzen. Ich für meinen Teil lebte den Sommer und kostete ihn aus. Ohne die Liebe, - wobei es trotzdem Herzschmerz gab und die Schmetterlinge so schnell eingingen wie sie kamen - doch mit vielen Freuden meiner Freunde und Erlebnissen in neuen Regionen der Welt. Das Abitur war bestanden und das Hirn lahm gelegt, für eine lange Zeit. Oft, wenn wir leben und glücklich sind, vergessen wir unsere eigene Existenz und geben zu wenig acht auf uns. Wir verlieren uns auf der schönen Seite einer verlassenen Insel, auf der so viele Menschen leben, doch so viele einsam sind. Wir vergessen Trauer und Schmerz. Wir blenden ihn aus. Lange Zeit habe ich mich (eigentlich während des ganzen Sommers), nicht mehr um Nachrichten und Politik gekümmert. Ich wollte einmal unbekümmert sein. Ich hatte Angst vor dem Sog der bestürzenden Botschaften. Auch bin ich mir darüber gewiss, dass es ein Privileg ist den Stand-By Knopf zu drücken. Andere können das nicht. Verlorene, die auf der Suche nach einer Heimat und sich selbst sind. Auch bin ich mir über die Ignoranz und Oberflächlichkeit dieses Handelns bewusst bin.

Ich war auf einer Insel. Keiner einsamen Insel. Sie befand sich inmitten einer Metropole. Unter Menschenmassen lag ich und schaufelte mir eine Höhle, indem ich die verstorbenen "Individuen" aus dem Knäul der Lebewesen hinweg schaffte. Ich begrub sie nicht. Ich schmiss sie auf die Gehwege und ließ sie verwesen. Warum? Das macht man so. Ich richtete es mir dort gemütlich ein. Lies nur die Leute verkehren, die mich mit Freude beglücken konnten und sammelte das Glück in einem Glas, das ich jeden Tag auf's neue leer trank. Ich lachte, ich speiste, ich trank, ich. Ich. ICH. Und irgendwann bemerkte ich, dass ich mir wie all die Anderen, in diesem Gewebe aus Teilchen, mein eigenes Grab grub. 

Und damit wünsche ich euch einen schönen Herbstanfang und gute Besserung.

Flo

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