Dienstag, 28. April 2015

Nachdenken über die Liebe

Da sollte man eigentlich auf seine bevorstehende Klausur lernen, nimmt Stift und Zettel in die Hand und die Gedanken kommen dazwischen. Solange man sich mit Arbeit, die einem Spaß macht, oder mit anderen Freizeitbeschäftigungen ablenken kann, macht man sich über seinen seelischen Zustand keine Gedanken. Man macht sich auch keine Gedanken über die "großen Fragen des Lebens", besonders nicht, wenn es einem gut geht. Doch manchmal kommt der Zeitpunkt, es muss nicht der Moment tiefster Trauer sein, da kommen Gedanken und die verbinden sich zu unübersichtlichen Labyrinthgängen aus denen man, so scheint es, nicht mehr ausbrechen kann. Man irrt weiter durch die Wege des riesigen Parks, der so friedlich und still scheint, dass man von diesem Gefühl der Friedlichkeit beinahe erdrückt wird. Ich mache mir momentan auch wieder Gedanken über ein banales Thema: Die Liebe.

In jedem Lied wird sie behandelt, Schnulzen locken verliebte Pärchen ins Kino, der Frühling steht bevor und Liebesgefühle treten in den meisten Menschen wieder auf. Singles suchen für die Sommerabende eine Beziehung um sich nicht alleine auf dem Balkon den Sonnenuntergang ansehen zu müssen und sich gleichzeitig in die Einsamkeit zu verkriechen. Es scheint klar, warum wir uns eine Beziehung wünschen. Wir wollen nicht alleine sein, alle Gedankengänge teilen können und uns Geborgen fühlen. Doch wo finden wir die große Liebe? Und muss es unbedingt die große Liebe sein? Was ist, wenn ich mich nicht gleich verliebe und die Person nur Sympathisch finde, sollte ich dann ein Beziehung eingehen? Was passiert, wenn ich die Beziehung eingehe und mich in dieser nicht weiter angezogen fühle und mich nicht verlieben kann? Oder was passiert, wenn ich mich, weil ich mich nicht gleich verliebe, die Beziehung ausschlage? Mache ich dann den Fehler meines Lebens, weil sich hinter der sympathischen Person doch noch die Liebe meines Lebens verbirgt? Fragen über fragen, die wir uns stellen und die Liebe nicht einfacher macht.

Denn geben wir es doch zu: So schön eine Beziehung und das Gefühl des verliebt seins auch ist, irgendwo gibt es doch meist einen Haken? Wir stellen uns von Anfang an Fragen, wie die Beziehung ausschauen soll, was wir erwarten und wie unser Traummann sein soll und verpassen somit vielleicht den Augenblick. Denn anstatt im Moment zu leben und alles auf uns zukommen zu lassen, verkriechen wir uns lieber in unserer heimlichen Einsamkeit und fühlen uns im Schmerz geborgen. Eine trügerische Falle, die unser Bewusstsein uns stellt. Zwar finden wir uns für den Moment mit der Einsamkeit ab und sagen uns auch alleine klar kommen zu können, doch wünschen wir uns langfristig gesehen immer noch die Beziehung und die Bindung zu einem anderen Menschen. Doch was soll man machen? Die klare Antwort könnte lauten: In's Leben gehen, das Leben genießen, mit Freunden unterwegs sein und neue Leute kennenlernen, von denen mit Sicherheit "der Richtige" dabei sein kann.

Also stürzen wir uns mit voller kraft in Aktivitäten und suchen neben Schule und Arbeit, Freizeitbeschäftigungen und Hobbys nach der großen Liebe. Wenn wir es schaffen, dass alles unter einen Hut zu bekommen, nehmen wir an, finden wir die eine Person. Wir verabreden uns also zum ersten Date, nachdem wir uns durch verschiedene Freundeskreise kennengelernt haben. Wir finden uns auf anhieb sympathisch und können uns gut leiden. Wir treffen uns immer wieder und genießen die Zeit zusammen. Im Hinterkopf bahnen sich schon die großen Fragen an: Wann kommt es zum ersten Kuss? Wann soll ich Körperkontakt aufbauen? Lande ich vielleicht nur auf der Freundesschiene? Kann er mich auch wirklich leiden? Wie oft und wann sollte ich mich bei ihm melden, um nicht den Eindruck von Verliebtheit zu zeigen? Denn ich möchte immer noch mysteriös wirken, dass macht mich doch so interessant. Und hat er noch Interesse an mir, wenn er mich kennt wie ich wirklich bin?

Doch glaubt mir, dass geht nicht nur euch so, auch die andere Person ist auf ihre individuelle Art verunsichert. Warum sollte sie sich noch mit euch treffen, wenn sie überhaupt kein Interesse an euch hat? Doch anstatt im Moment zu leben, versuchen wir den Augenblick festzuhalten. Wir fangen an uns über eine Beziehung Gedanken zu machen und fragen uns, wie das alles werden wird. Bei unsicheren Personen kommt jetzt natürlich die Frage, ob sie das denn überhaupt möchten? Ist er denn wirklich der Richtige? Natürlich kann ich ihn gut leiden, er ist süß, sympathisch, zuvorkommend. Doch habe ich mich in ihn verliebt, oder möchte ich nur eine Beziehung, weil ich nicht alleine sein möchte? Die Fragen scheinen einen zu erdrücken und man will einerseits zwar die Momente weiter ausleben, doch entscheidet man sich wohlmöglich es sein zu lassen. Denn man war sich ja nicht ganz sicher, hat sich vielleicht doch nicht verliebt.

Was passiert mit der anderen Person? Nehmen wir an, sie hat sich verliebt. Sie wird für einen kleinen Augenblick, das kommt auf die länge der Beziehung an, - und ja ich spreche in diesem Stadium bereits von einer Beziehung, da es eine zwischenmenschliche Bindung ist - möglicherweise daran zerbrechen. Liebe ist stark und um so stärker ist das Verlustgefühl, wenn die Liebe endet und man wieder alleine ist, einsam auf dem Balkon den Sonnenuntergang anschaut. Vorher konnte man sich noch sagen, ich fühle mich wohl. Alleine. Doch jetzt, wo man einmal dieses Gefühl der Zweisamkeit erleben durfte, möchte man es nicht mehr missen und sehnt sich danach zurück. Man hat durch das Gefühl der Liebe einen Teil von sich aufgegeben um Platz für die andere Person zu schaffen. Diesen Platz gilt es nun aber wieder zu füllen. So wie früher, vor der Liebe, kann es nicht werden. Die Zeit hat einen zu sehr verändert und die Ereignisse geprägt. Also stürzt man sich in' Leben, versucht wieder dieses Gefühl zu schaffen, wie bei dieser einen Person. Man geht feiern, arbeitet viel und lenkt sich ab. Die Illusion der glücklichen Einsamkeit wurde zerstört und die Realität des Glücklich-Seins, dadurch, gesagt zu bekommen, der andere habe sich nicht verliebt. Und was macht man jetzt?

Man muss loslassen. Muss abschließen und sich neu finden. Man muss mit sich selbst wieder klar kommen und zu seiner inneren Mitte finden. Das hört sich esoterisch und banal an, doch ist beinhaltet es doch die Wahrheit. Man hat sich fallengelassen, aufgefangen gefühlt bei einer Person, die man liebt. Egal was passieren würde, man wusste einen Menschen an seiner Seite zu haben. Natürlich stellt man sich nun die Fragen, warum alles so kam und wieso man nicht hätte zusammen glücklich werden können. Vielleicht kann man die andere Person auch verstehen, dass kommt darauf an, wie es einem vermittelt wurde. Mit einem "netten" Gespräch, am Telefon, oder doch nur per SMS.

Aber was ist nun mit der Liebe? Soll man sich versuchen nicht zu verlieben, oder hätte die andere Person es versuchen sollen und schauen können, ob sie noch Gefühle empfindet? Das alles kommt natürlich stark auf den Charakterzug der Personen an. Liebe ist mehr als nur "verliebt sein". Verliebt sein verfliegt. Liebe kann, in den unterschiedlichsten Formen, für immer bestehen. Man sollte mit einem Menschen weniger zusammen kommen, weil man verliebt ist, sondern weil man ihn schätzt. Weil man gemeinsame moralische Vorstellungen teilt, sich versteht, die Zeit genießt und gerne beisammen ist. Weil man gerne im Arm des anderen liegt und in den Geruch des anderen verfallen ist. Ob das verliebt sein ist? Ich weiß es nicht. Verliebt sein ist so undefinierbar, wie die Liebe an sich. Doch wichtig ist, der Liebe die Chance im Leben einzuräumen.

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