Samstag, 21. Februar 2015

Fernweh nach der Heimat

"Mein Kulmbach lob' ich mir, es ist ein klein Paris und bildet seine Leute."
Die Reise ist beendet und ich sitze wieder in meiner Heimatstadt. Als ich am Donnerstag in den Zug eingestiegen bin und auf der Strecke bis Dresden das Erzgebirge bewundern durfte, freute ich mich über diesen Anblick, eine neue Facette von der Landschaft Deutschlands und so nah (wenn auch nur im Zug sitzend), sehen zu dürfen und empfand es als bereichernd. Sonst bekommt man Tag ein Tag aus immer das gleiche mit, die gleichen Gesichter mit den ewig gleichen Landschaften, auf die man schon nicht mehr achtet, weil sie scheinbar uninteressant geworden sind. 

Also sitze ich weiterhin im Zug, steige zwischendurch in einen Neuen und meine Strecke geht weiter und immer weiter. Auf dem Weg nach Zittau änderte sich dieser idyllische Anblick dann zunehmend. Die gerade noch so imposant, mir fremd scheinende Landschaft, war leer. Die Passagiere stiegen aus dem Zug aus und es wurden immer weniger und weniger. Bis nur noch ich und ein Frau hinter mir in meinem Abteil saßen. Ich las die Ortsnamen vor der rettenden "Metropole". "Hildesheim", "Oberoderwitz Oberdorf", "Oberoderwitz", "Niederoderwitz". Eine Stadt schien nicht in der Nähe und seit Dresden war ich an keinem Ort über 1000 Einwohner vorbeigefahren. Mich immer näher an die Grenze annähernd und ohne weitere Passagiere verlassen im Zug sitzend bekam ich es mit der Angst zutun. Ist dies alles nur ein böser Plan und möchte man mich in die tschechische Republik verschleppen? Aber nein: Zittau. Der Verdacht war somit also komplett aufgelöscht und ich kam an. In eine Stadt im Nirgendwo, wo nichts ist außer: Zittau.

Was ist Zittau eigentlich? Stadt von Welt, die Heimat eines berühmten Künstlers, Universitätsstadt Nummer eins? Wohl nichts von all dem. Ich würde es eher als "Metropole des Ostens" bezeichnen. Des östlichen Ostens. Also des Ostens, wo einfach nichts mehr ist außer.: Zittau. Und genau hier liegt das Problem. Sobald man Dresden verlässt und sich der Grenze annähert fühlt es sich an, als würde man die Zivilisation verlassen. Deutschland den Rücken zukehren und ins Nichts fahren.

Doch was genau ist in Zittau eigentlich? Die Stadt an sich, hat ohne Frage, wunderschöne Plätze. Diese Sehenswürdigkeiten werden jedoch durch den Kontrast der verfallen Hausruinen einer Stadt gebrochen, die ihren damaligen Glanz verloren hat.

Diese Erfahrung in allen Ehren, doch erkannte ich was Heimat ist. Ein Begriff, für mich nie definiert und scheinbar unwichtig, hat nun Form erlangt. Denn innerhalb von sechs Stunden in einem anderen Bundesland, mit einem neuen Dialekt, am Ende Deutschlands und der Grenze so nah zu sein, hat mir gezeigt, dass ich mit meinem kleinen, oberfränkischen Kulmbach zufrieden sein kann und froh bin wieder hier zu sein, auch wenn mich die Reise um einige Erfahrungen reicher gemacht, meinen Horizont erweitert und einen guten Freund hinzugefügt hat.

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