Sonntag, 15. Februar 2015

Er hat mich getötet - Der Tod

Ich befinde mich in absoluter Dunkelheit. Schattenwesen umgeben die Aura meines verbliebenen Ichs. Doch bin ich nicht mehr, ich war. Und was ich bin, das weiß ich nicht. Denn ich sehe mich nicht. Ich fühle mich nicht. Ich liege. Auf einem Altar vertrockneter, schwarzer Rosen mitten in einem Saal vollendeter Finsternis. Stille. ertönt die endlosen Hallen, begrenzt von ineinander verflochtener Stangen verworrener Gedankenstränge. Licht. blendet meine von der Schwärze sensibilisierten Augen, doch ich fühle keinen Schmerz. Meine Nerven reagieren nicht. Sie sind dort drüben, weit entfernt, Teile der verflochtenen Mauer die mich begrenzen.

Auf einer Allee im Hochsommer laufe ich, ohne zu wissen wer mich führt. Ich schreite immer weiter und erblicke den Umriss einer Person. Ein Mann steht regungslos inmitten der Straße. Ich erfreue mich seines Anblickes, so weit entfernt scheint er mir doch so nah. Ich kenne ihn, obwohl ich ihn nicht erkennen kann. Mit schnellen Schritten nähere ich mich ihm und seiner Anziehungskraft, wobei mir die Gründe meiner zu tiefsten Vertrautheit nicht bewusst sind. Ein Hauch von Rosenduft wird durch den lauen Sommerwind aus seiner Richtung zu mir geweht. Immer schneller versuche ich zu ihm zu eilen. Nach einigen Schritten auf dem warmen Asphalt erkenne ich mehr von seiner Silhouette, doch scheine ich mich geirrt zu haben. Kenne ich ihn? Ein Blick in die Umgebung zeigt mir, dass die Bäume keine Blätter besitzen. Doch lasse ich mich nicht beirren und schreite weiter, zurückhaltender als zuvor. Langsamer, vorsichtig. Nähere ich mich der Gestalt. Die untergehende Scheibe am Horizont verdunkelt meine Gedanken. Weder Wärme noch Geborgenheit sind spürbar. Angstvoll, fürchtend. Taste ich mich voran. Vor der Gestalt anhaltend schaue ich in deren Gesicht. Sie besitzt Ohren, volle Lippen und kurzes, blondes Haar. Meine Angst scheint unbegründet gewesen. Ein zweiter Blick. Trotz des regungslosen Ausdruckes und der Gefühlslosigkeit, scheint es unverändert. Eine weiße, reine Haut schmeichelt den Gesichtszügen. Ein dritter Blick. Leblos. Alles mir bekannte scheint verschwunden. Eine leere Hülle erscheint. Trotz der menschlich anmutenden Züge, es fehlt etwas. Seine Augen. Ich sehe in die von Schwärze erfüllten Ausbuchtungen. Dunkelheit.

Alleine? befinde ich mich wieder inmitten des raumlosen Ortes. Die vorher als Altar erscheinende Liegefläche  entpuppt sich als metallener Seziertisch auf deren Ablage das Skalpell bereitliegt, vorhergesehen zum aufschneiden meines Körpers. Mit Fesseln angekettet und die Augen zum Offenhalten eingespannt schaue ich geradeaus. Das mich blendende Licht ist verschwunden. Doch erkenne ich zwei mich von oben, in der Luft schwebende, anstarrende Augen. Wehrlos gebe ich mich der Gestalt hin, die Dauerhaft bei mir zu sein schien. Mit dem Herz in der Hand verschwindet er. Bricht. die Gedankenketten. Löst: Den Raum. Er hat mich getötet.



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen