Montag, 16. Februar 2015

Er hat mich getötet - Das Leben

Du erbaust es, erschaffst ein Zimmer umgeben von deinem als Wand fungierenden Wesen,  das von deinen eckpfeilerartigen Armen getragen wird. Der warme Atem erhitzt den Raum und umgibt meinen nackten Körper. Zulange schon liege ich dort, in der Kälte; um noch länger zu warten fehlt mir die Zeit. Du erscheinst und kommst gerade Recht, um mich zu retten. Deine über die Klippe reichenden Arme ziehen meinen mit Wunden versehrten Körper von der Schlucht hinweg, auf den rettenden Wüstenboden. Die Decke, erbaut aus deinem Wortwitz, Humor, der Selbstsicherheit, den saphireblauen Augen, deinem Charakter, beschützt mich vor allen Wellen die mich versuchen von dem Kliff zu reißen. Nichts kann mir schaden, ich fühle mich bei dir geborgen.

Wir liegen in einem Bett, mein Liebster, umgeben von kleinen runden Punkten, die ein dämmerndes Licht absondern. Seidentücher umgeben unseren aneinander geschmolzenen, von Wärme umwickelten Körper. Gegenüberliegend atmen wir die Luft des Partners ein und spüren dessen Nähe, wie zwei Personen, die zu einem verschmolzenen Ganzen fusionierten. So nah beisammen spüre ich deine Wärme und lege meinen Kopf auf deine Brust. Ich fühle dich. Der Rosenduft durchströmt meine Synapsen und wird von dem Kopfkissen aufgesogen, das mich noch die ganze Nacht an dich erinnern soll. Doch diese bricht nicht herein, denn wir tanzen auf der Straße unter den, in den Baumkronen hängenden, Lichterketten, in der nicht endenden Dämmerung. Siehst du, mein Liebster, dort drüben. Die von der Sonne lila angeschienen Wolken am Horizont? Siehst du links von uns, die Schattenwesen, zu Gast auf unserem Fest, nur um unser Glück zu sehen? Und kannst du den gedeckten Tisch mit unseren Leibspeisen inmitten der Menge sehen? Du, ewig blühender Enzian, vermagst es mich mit Rauch zu bedecken. Deine Arme sind es, die mich in den Schlaf gleiten lassen und dein voller Mund ist es, der mich durch einen Kuss auf die Stirn am Morgen aufwachen lässt. Ich spüre deine Liebe. So vage dieser Begriff auch erscheinen mag, so sehr kann ich ihn doch fühlen. Auf einem Garn über dem brodelnden Vulkan jonglieren wir wie zweitklassige Artisten mit unseren Problemen. In die Feuersglut fallend entzünden wir unsere Herzen und lösen uns auf.

Körperlos strömen wir durch Raum und Zeit. Bedeutungslos scheint uns das Geschehen auf der Welt. Wir ziehen vorbei an den von Menschenmassen überfluteten Straßengassen. Spiegeln unsere Seele in den Wolkenkratzern der Metropole und erkennen einen Unterschied zu den anderen, den nicht Liebenden. Verlorene Hüllen auf ihrem Weg zum Glück. Doch wir haben uns. Wollen uns. Brauchen uns.

Ich bin nicht. Du bist nicht. Wir sind eins. Ein Teil des Ganzen und so Verworrenen nicht Durschaubaren. Komm mein Liebster, lasse uns, uns aufgeben. Aufgelöst lassen wir uns nieder zu unseresgleichen. Werden einzelne, kugelförmige Tropfen des tiefblauen Ozeans.



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