Freitag, 1. Mai 2015

Die verschiedenen Weisen zu leben

Es ist Nacht, die Welt schläft und ich bin wach. Es gibt momentan keinen, mit dem ich mich unterhalten, dem ich Geschichten oder Sorgen erzählen könnte. Ich sitze Nachts um 03:00 Uhr in meinem Bett und schreibe einen Blogeintrag. Gerade eben, ich weiß es nicht genau, denn ich bin nicht dort, steigt in der nächsten Stadt eine Hausparty von der Schwester einer sehr guten Freundin. Auch ich wurde dazu eingeladen, was mich sehr freute. Doch bereits als sie fragte, lehnte ich dankend ab. Wir haben ein verlängertes Wochenende und ich war mir sicher, endlich wieder ausspannen zu wollen und am nächsten Morgen, nicht in einem mir fremden Haus aufzuwachen. Ich mag den Freundeskreis sehr und die Party hätte mit Sicherheit super werden können. Obwohl ich generell keinen Alkohol trinke, wäre der Spaß nicht zu kurz gekommen.

Als ich mitten in der Pubertät steckte, wünschte ich mir solche Freunde, die mich einladen würden und bei denen ich mitfeiern könnte. Damals war ich ein sehr introvertiertes Kind und machte eine schwere Phase durch. Nicht zuletzt durch mein inneres Outing und dem nicht wissen, wer man ist. Mit einer brüchigen Persönlichkeit, ungefestigt und vielen Gedanken ging ich jeden Tag zur Schule. Konnte natürlich nicht ich selbst sein, da ich nicht wusste wer ich war. Mit nur wenigen, alten Freunden bestritt ich meine Tage und in der Schule fühlte ich mich nicht wohl. (Hier muss angefügt werden, dass ich mich damals auf einer Art Realschule befand und erst nach der 10. Klasse auf's Gymnasium wechselte.) Bis zu einem gewissen Punkt war das mit Sicherheit auch meine eigene Schuld. Ich wollte und konnte mich nicht öffnen und war viel zu schüchtern. Die Abende verbrachte ich vor dem Fernseher und PC, Skype mit "meinen Freunden", die ich natürlich auch im Real Life kannte und vergeudete die Zeit mit dem Schauen von YouTube Videos, Computerspielen und Dingen, die so unwichtig waren, dass ich sie vergessen habe. Ich führte kein glückliches und auch kein zufriedenstellendes Leben. Wieder und wieder durchdrang mich der süßlich schmeckende Schmerz der Einsamkeit. Dieses Wissen, anderen würde es gut gehen, andere würden Spaß haben und den Moment leben. Auch wenn dieser so verflogen sein mag, wie meine Zeit am PC und ich noch die Speicherstände auf der Festplatte besitzen werde, so besitzen sie die Freude des Moments. Oft sehnte ich mich danach, so zu sein wie die anderen. Ich wusste nicht, warum ich nicht glücklich sein konnte, nicht das Recht hatte im Moment zu leben und die Zeit mit Freunden, auf Partys, in Kneipen und zusammen bei anderen zu genießen. Ich muss anfügen, immer nachdenklicher als die anderen gewesen zu sein. Über alles und jeden habe ich mir Gedanken und Sorgen gemacht. Das Leben alleine und außerhalb der breiten Masse, mag mit meinem Körpergewicht und genau dieser Nachdenklichkeit zusammengehangen haben. Vielleicht war auch das Nachdenken und die Einsamkeit schuld am Körpergewicht, ich weiß es nicht. Jedenfalls war ich ein unglücklicher Jugendlicher und empfand meine "Jugend" als vergeudet, doch ändern konnte oder wollte ich nichts.

Ich wusste etwas in meinem Leben ändern zu müssen. Also nahm ich ab. Insgesamt waren es 25 Kilogramm, die von meinem Körper über einige Wochen schmolzen. Eines Sonntags nahm ich mir vor, endlich so sein zu wollen, wie alle anderen. Ich hoffte dies mit dem Verlust meiner Masse schaffen zu können. Natürlich wollte ich mich auch endlich nicht mehr daheim verstecken müssen, da ich mir in der Schule schreckliche Sprüche anhören musste. Doch es wurde nicht besser. Obwohl ich nun schlank war, fühlte ich mich nicht glücklich und unternahm nicht mehr. Einen Grund für diese innere Einsamkeit konnte ich nicht ausfindig machen. Natürlich hatte ich Freunde, sehr gute sogar. Und ich hatte oft Kontakt mit ihnen. Wir drehten an den Wochenenden Filme für unseren YouTube Kanal, trafen uns manchmal so bei mir Zuhause, doch fühlte ich weiterhin verzeinzelt die innere Einsamkeit.

[Ich möchte nun einiges im Schnelldurchlauf erzählen, da es sonst den Rahmen sprengen würde: Dies war die Zeit, als ich auf die alte Schule ging (ich war vielleicht 14 Jahre alt) und mich bei den Menschen dort nicht wohl fühlte. Ich wollte und konnte mich nicht mit ihnen anfreunden, da es einfach nicht mein Klientel war. Durch das Abnehmen konnte keine Besserung erzielt werden. Die innere Einsamkeit kann auch, und das halte ich für sehr wahrscheinlich, an meinem nicht abgeschlossenem inneren Outing gelegen haben. Ich konnte mich selbst, so wie ich war, nicht akzeptieren und wollte immer jemand anders sein. Das brachte mich in einen Konflikt mit meiner eigenen Persönlichkeit und wie sagt man so schön: Wer sich selbst nicht mag, wird auch andere nicht mögen können.]

Ich wechselte also auf ein Gymnasium und das Leben wurde leichter. Die Menschen dort waren anders, aufgeschlossener. Ich fühlte mich wohl und fand bald Menschen, die ich heute als eine meiner engsten Freunde bezeichnen würde. Immer noch ging ich nicht weg und immer noch stellte ich mir die Frage nach dem Sinn des Lebens. Fühlte meine "Jugend an mir vorbeiziehen" und hatte Angst, mein eigenes Leben zu verpassen. Natürlich ging ich nun öfter zu Freunden und unternahm mit ihn ein paar Aktionen am Wochenende. Versteht das nicht falsch. Nach mittlerweile drei bis vier vergangenen Jahren bin ich ein sehr aufgeschlossener und lebensfroher Mensch geworden. Dennoch verspürte ich eine lange Zeit das Gefühl, etwas würde mir fehlen.

Wirklich geändert hat es sich, mit dem ersten Jungen. Ich kann nicht behaupten großartig verliebt gewesen zu sein und ich glaube ich wusste bereits am Anfang, dass es keine ewige Beziehung wird. Aber ich machte meine ersten Erfahren. Hatte endlich auch eine Person, wie alle anderen. Musste mir nicht mehr denken: Wieso haben alle eine Freundin und nur weil ich anders bin, finde ich niemanden? Und es war nicht nur irgend ein Typ aus dem Netz, es war eine Schulhof-Romanze. Und jeder von euch, der das schon mal erleben durfte, weiß wie besonders es ist. Es mag sein, dass es Frauen und Männer an Schulen wie Sand am Meer gibt. Aber einen Typen, der auf der gleichen Schule und dann noch in derselben Jahrgangsstufe ist, zu finden, hat etwas Besonderes. Wir hatten den gleichen Freundeskreis und verbrachten tolle Treffen miteinander. Wir verstanden uns, hatten gleiche Vorstellungen, konnten, meiner Meinung nach, uns verstehen ohne zu reden. Dennoch war es nie "die Liebe", es war viel mehr ein sich gegenseitig Aufmerksamkeit und Nähe schenken. Hand halten, küssen und zusammen im Bett rumliegen. Einfach jemanden haben, damit man nicht alleine ist.

Doch all dies hielt nur wenige Monate und der vor Jahren nicht vorstellbare Traum zerrann, als sei es nie gewesen. Während dieser Zeit muss ich zugeben, war ich aber bereits sehr aktiv. Ich unternahm viel mit Freunden und war an Wochenende immer weg. Man kann also nicht sagen, dass er der Grund dafür gewesen sei. Viel mehr perfektionierte er den Traum, meinen Traum, des jugendlichen Lebens. Ein Freund, viele Freunde, bliebt sein, das Theater, eine Bestimmung und keine Angst davor, wie alles weiter gehen soll. Doch es kehrte sich um.

Meine Freunde habe ich natürlich auch nach dieser, ich möchte es nicht Beziehung nennen, es ist viel mehr eine Romanze, immer noch. Und aktiv bin ich mit dem Tanzen weiterhin. Im Theater werde ich bald auf einer größeren Bühne spielen und "beruflich", wie auch schulisch, geht es mir gut. Nur weiß ich jetzt, was ich über all die Zeit vermisst habe, wonach ich mich sehnte. Zum einen danach, mich selbst zu akzeptieren und durch ein Outing im Freundes und Bekanntenkreis akzeptiert zu werden und zum anderen das, was jeder hat, eine Beziehung. Im Nachhinein, einige Monate, denn mir ging es lange nicht gut, bin ich froh es gehabt zu haben. Ohne eine Träne und einen schlechten Gedanken kann ich daran zurück denken, an das erste Treffen, die Party bei einem Kumpel von uns und das "sich näher kommen". Ich sehe es als eine wunderschöne Erinnerung an und konnte damit abschließen. Auch wenn ich diese Schulromanze gerne fortgeführt hätte, da es etwas Einmaliges, nie wieder vorkommendes, bleiben wird.

Doch kurz nachdem ich gesagt bekommen hatte, dass er nicht verliebt sei, brach eine Welt zusammen. Ich fühlte mich so verloren, gedemütigt, hingehalten. Es hieß oft, er wisse nicht was er wolle und ich glaubte zu fühlen, er würde mich mögen. Vielleicht nicht vollends verliebt sein, doch das war ich auch nicht und es wäre für mich in Ordnung gewesen. Plötzlich machte ich noch mehr als zuvor. Ich wollte den Schmerz nicht verarbeiten, wollte ihn verdrängen. Ich ging tanzen, zu Freunden, feiern und arbeitete viel für das Theater und machte ein wenig mehr für die Schule als sonst, auch wenn es mir schwer viel.Nun stand ich voll im Leben, war Power-Mann und über alles erhaben. Das ging vielleicht drei Monate so.

Jetzt sitze ich hier und schreibe einen Blogeintrag, weil ich um 04:00 Uhr mit meinem Laptop im Bett liege. Heute Feiertag ist und ich Lust habe zu schreiben. Ich war den ganzen Abend alleine, habe ein wenig mit einem guten Freund gezockt, nachgedacht. Aber es waren keine schlechten Gedanken. Ich stellte mir die Frage nach den Lebensweisen, wie man "richtig" lebt. Damals, als ich nie lebte, wusste ich nicht wie es ist und wollte es unbedingt haben. Ich verzweifelt daran alleine zusein, weil ich nichts anderes kannte und kein Partymensch war. Heute kann ich sagen, meine ersten, kleinen, Erfahrungen mit einem Jungen gehabt zu haben, viel unterwegs zu sein und einen Terminplan zu besitzen, der aus allen Nähten platzt. Und ehrlich gesagt: Es macht mir nichts mehr aus, alleine zu sein, denn ich habe die andere Seite, die wundervoll sein kann, erlebt. Manchmal denke ich einem Wendepunkt zu stehen, an einer Gabelung und ich muss mich entscheiden, zwischen Lebemann und kleinem, einsamen Denker, der sich verkrümelt.

Am liebsten wäre mir ein Mittelweg. Ich bin froh wieder mit mir klar zu kommen und alleine sein zu können, andererseits genieße ich auch die Gesellschaft. Ich hoffe es wird mir gelingen.

Dienstag, 28. April 2015

Nachdenken über die Liebe

Da sollte man eigentlich auf seine bevorstehende Klausur lernen, nimmt Stift und Zettel in die Hand und die Gedanken kommen dazwischen. Solange man sich mit Arbeit, die einem Spaß macht, oder mit anderen Freizeitbeschäftigungen ablenken kann, macht man sich über seinen seelischen Zustand keine Gedanken. Man macht sich auch keine Gedanken über die "großen Fragen des Lebens", besonders nicht, wenn es einem gut geht. Doch manchmal kommt der Zeitpunkt, es muss nicht der Moment tiefster Trauer sein, da kommen Gedanken und die verbinden sich zu unübersichtlichen Labyrinthgängen aus denen man, so scheint es, nicht mehr ausbrechen kann. Man irrt weiter durch die Wege des riesigen Parks, der so friedlich und still scheint, dass man von diesem Gefühl der Friedlichkeit beinahe erdrückt wird. Ich mache mir momentan auch wieder Gedanken über ein banales Thema: Die Liebe.

In jedem Lied wird sie behandelt, Schnulzen locken verliebte Pärchen ins Kino, der Frühling steht bevor und Liebesgefühle treten in den meisten Menschen wieder auf. Singles suchen für die Sommerabende eine Beziehung um sich nicht alleine auf dem Balkon den Sonnenuntergang ansehen zu müssen und sich gleichzeitig in die Einsamkeit zu verkriechen. Es scheint klar, warum wir uns eine Beziehung wünschen. Wir wollen nicht alleine sein, alle Gedankengänge teilen können und uns Geborgen fühlen. Doch wo finden wir die große Liebe? Und muss es unbedingt die große Liebe sein? Was ist, wenn ich mich nicht gleich verliebe und die Person nur Sympathisch finde, sollte ich dann ein Beziehung eingehen? Was passiert, wenn ich die Beziehung eingehe und mich in dieser nicht weiter angezogen fühle und mich nicht verlieben kann? Oder was passiert, wenn ich mich, weil ich mich nicht gleich verliebe, die Beziehung ausschlage? Mache ich dann den Fehler meines Lebens, weil sich hinter der sympathischen Person doch noch die Liebe meines Lebens verbirgt? Fragen über fragen, die wir uns stellen und die Liebe nicht einfacher macht.

Denn geben wir es doch zu: So schön eine Beziehung und das Gefühl des verliebt seins auch ist, irgendwo gibt es doch meist einen Haken? Wir stellen uns von Anfang an Fragen, wie die Beziehung ausschauen soll, was wir erwarten und wie unser Traummann sein soll und verpassen somit vielleicht den Augenblick. Denn anstatt im Moment zu leben und alles auf uns zukommen zu lassen, verkriechen wir uns lieber in unserer heimlichen Einsamkeit und fühlen uns im Schmerz geborgen. Eine trügerische Falle, die unser Bewusstsein uns stellt. Zwar finden wir uns für den Moment mit der Einsamkeit ab und sagen uns auch alleine klar kommen zu können, doch wünschen wir uns langfristig gesehen immer noch die Beziehung und die Bindung zu einem anderen Menschen. Doch was soll man machen? Die klare Antwort könnte lauten: In's Leben gehen, das Leben genießen, mit Freunden unterwegs sein und neue Leute kennenlernen, von denen mit Sicherheit "der Richtige" dabei sein kann.

Also stürzen wir uns mit voller kraft in Aktivitäten und suchen neben Schule und Arbeit, Freizeitbeschäftigungen und Hobbys nach der großen Liebe. Wenn wir es schaffen, dass alles unter einen Hut zu bekommen, nehmen wir an, finden wir die eine Person. Wir verabreden uns also zum ersten Date, nachdem wir uns durch verschiedene Freundeskreise kennengelernt haben. Wir finden uns auf anhieb sympathisch und können uns gut leiden. Wir treffen uns immer wieder und genießen die Zeit zusammen. Im Hinterkopf bahnen sich schon die großen Fragen an: Wann kommt es zum ersten Kuss? Wann soll ich Körperkontakt aufbauen? Lande ich vielleicht nur auf der Freundesschiene? Kann er mich auch wirklich leiden? Wie oft und wann sollte ich mich bei ihm melden, um nicht den Eindruck von Verliebtheit zu zeigen? Denn ich möchte immer noch mysteriös wirken, dass macht mich doch so interessant. Und hat er noch Interesse an mir, wenn er mich kennt wie ich wirklich bin?

Doch glaubt mir, dass geht nicht nur euch so, auch die andere Person ist auf ihre individuelle Art verunsichert. Warum sollte sie sich noch mit euch treffen, wenn sie überhaupt kein Interesse an euch hat? Doch anstatt im Moment zu leben, versuchen wir den Augenblick festzuhalten. Wir fangen an uns über eine Beziehung Gedanken zu machen und fragen uns, wie das alles werden wird. Bei unsicheren Personen kommt jetzt natürlich die Frage, ob sie das denn überhaupt möchten? Ist er denn wirklich der Richtige? Natürlich kann ich ihn gut leiden, er ist süß, sympathisch, zuvorkommend. Doch habe ich mich in ihn verliebt, oder möchte ich nur eine Beziehung, weil ich nicht alleine sein möchte? Die Fragen scheinen einen zu erdrücken und man will einerseits zwar die Momente weiter ausleben, doch entscheidet man sich wohlmöglich es sein zu lassen. Denn man war sich ja nicht ganz sicher, hat sich vielleicht doch nicht verliebt.

Was passiert mit der anderen Person? Nehmen wir an, sie hat sich verliebt. Sie wird für einen kleinen Augenblick, das kommt auf die länge der Beziehung an, - und ja ich spreche in diesem Stadium bereits von einer Beziehung, da es eine zwischenmenschliche Bindung ist - möglicherweise daran zerbrechen. Liebe ist stark und um so stärker ist das Verlustgefühl, wenn die Liebe endet und man wieder alleine ist, einsam auf dem Balkon den Sonnenuntergang anschaut. Vorher konnte man sich noch sagen, ich fühle mich wohl. Alleine. Doch jetzt, wo man einmal dieses Gefühl der Zweisamkeit erleben durfte, möchte man es nicht mehr missen und sehnt sich danach zurück. Man hat durch das Gefühl der Liebe einen Teil von sich aufgegeben um Platz für die andere Person zu schaffen. Diesen Platz gilt es nun aber wieder zu füllen. So wie früher, vor der Liebe, kann es nicht werden. Die Zeit hat einen zu sehr verändert und die Ereignisse geprägt. Also stürzt man sich in' Leben, versucht wieder dieses Gefühl zu schaffen, wie bei dieser einen Person. Man geht feiern, arbeitet viel und lenkt sich ab. Die Illusion der glücklichen Einsamkeit wurde zerstört und die Realität des Glücklich-Seins, dadurch, gesagt zu bekommen, der andere habe sich nicht verliebt. Und was macht man jetzt?

Man muss loslassen. Muss abschließen und sich neu finden. Man muss mit sich selbst wieder klar kommen und zu seiner inneren Mitte finden. Das hört sich esoterisch und banal an, doch ist beinhaltet es doch die Wahrheit. Man hat sich fallengelassen, aufgefangen gefühlt bei einer Person, die man liebt. Egal was passieren würde, man wusste einen Menschen an seiner Seite zu haben. Natürlich stellt man sich nun die Fragen, warum alles so kam und wieso man nicht hätte zusammen glücklich werden können. Vielleicht kann man die andere Person auch verstehen, dass kommt darauf an, wie es einem vermittelt wurde. Mit einem "netten" Gespräch, am Telefon, oder doch nur per SMS.

Aber was ist nun mit der Liebe? Soll man sich versuchen nicht zu verlieben, oder hätte die andere Person es versuchen sollen und schauen können, ob sie noch Gefühle empfindet? Das alles kommt natürlich stark auf den Charakterzug der Personen an. Liebe ist mehr als nur "verliebt sein". Verliebt sein verfliegt. Liebe kann, in den unterschiedlichsten Formen, für immer bestehen. Man sollte mit einem Menschen weniger zusammen kommen, weil man verliebt ist, sondern weil man ihn schätzt. Weil man gemeinsame moralische Vorstellungen teilt, sich versteht, die Zeit genießt und gerne beisammen ist. Weil man gerne im Arm des anderen liegt und in den Geruch des anderen verfallen ist. Ob das verliebt sein ist? Ich weiß es nicht. Verliebt sein ist so undefinierbar, wie die Liebe an sich. Doch wichtig ist, der Liebe die Chance im Leben einzuräumen.

Donnerstag, 23. April 2015

Mia Diekow - Neben dir - Lyrics

Weil es weit und breit keinen Text im Internet gibt, habe ich mir mal die Mühe gemacht und ihn für euch aufgeschrieben. Der Aufbau ähnelt einer Gedichtform, liegt bei diesem tollen Text aber auch nicht gar nicht so fern.

Mia Diekow  -  Neben dir

Neben dir her
In deinem Schatten
von deiner Gunst
Hänge ich ab

Ich setz' mich zur Wehr
Gegen das was wir hatten
Ist keine Kunst
Und ich mach nicht mehr schlapp

Ich bin leicht und ich kann tanzen
Auf deiner Nase und überall
Ich bin leicht

Du bist sehr schön
Und strahlst wie ein Held
Manch kluger Gedanke
Streift deine Stirn

Mir dich abgewöhn'
Das kostet mich Geld
die Wirtschaft sagt danke
und ich in ihrem Zwirn adieu

Denn ich bin leicht und ich kann tanzen
Auf deiner Nase und überall
Ich bin leicht und ich kann tanzen
Auf den Dächern dieser Stadt
Ich bin leicht und ich kann tanzen
Mit deinen Freunden und überall
Ich bin leicht

Versuchs doch, Versuchs doch,
Tanz mit mir
Versuchs doch, Versuchs doch, 
Tanz mit mir

Zu einem Lied das noch immer keinen Rhythmus hat
Keine Worte, keinen Sinn
Auf verlorenen Wegen auf verbrannten Wegen
Keine Richtung kein Vorhin
Mit deinem Körper, der einfach keine Kraft mehr hat
Ohne Füße, ohne Flügel

Wie willst du tanzen?
Wie willst du fliegen?
Wie willst du tanzen?

Versuchs doch, versuch's doch,
Tanz mit mir!
Versuchs doch, versuch's doch,
Tanz mit mir!

Montag, 20. April 2015

Über das Unvermögen der deutschen Bevölkerung #2

Die Medien kotzen mich an.. 1000 Tote gab es wahrscheinlich bei diesem Schiffsunglück und die Afrikaner sind nicht so wichtig, wie die deutschen Toten bei diesem scheiß Flugzeugabsturz vor einigen Wochen um's Leben gekommen sind.

Plötzlich schicken wir, die auf unserer Insel des Wohlstands hockenden, Hilfeschreie los. Plötzlich kommt die Politik zu Gange und "möchte" helfen. Viel mehr muss sie helfen und viel mehr muss endlich etwas geschehen, da dass Begehren der reichen Europäer zu groß wird. Zu viel Angst haben Politiker ihre Macht zu verlieren und besonders ihr Gesicht.

Es wird darüber geredet, wie wir geholfen haben. Wir hatten doch ein Programm um die auf dem Meer ertrinkenden Menschen zu retten. Doch dieses wurde beendet. Wir haben uns nicht um die Flüchtlinge gekümmert, sondern viel mehr um den Bau von Mauern und uns das Problem fern zu halten. Was wir von uns halten, dass kann uns nicht bedrücken. Doch zum Glück können wir nicht länger weg schauen. Zu viele Unschuldige sind gestorben, um noch länger die Hände vor unsere Augen zu halten.

Gerade äußerte sich de Maizière zu den aktuellen Vorfällen. Doch als die klare Frage gestellt wurde, ob Deutschland mehr Flüchtlinge aufnehmen wird, kam nur die Antwort, man würde es machen, wenn die Verteilung so geregelt werden sollte. Ich möchte kurz einen Ausblick über die kommenden Wochen der Politik geben. Wir werden in Talkshows darüber diskutieren uns entblößen und Meinungen vertreten. Rechte, dazu zähle ich die AFD, werden sich kritisch zu Asylpolitik äußern und  ein großer Streit auf allen Netzwerken wird entfachen. Derweilen wird die Politik händeringend um, für Europa vorteilhafte, Lösungen ringen. Man möchte das gemeine Volk zufrieden stellen, ohne sich die Asylanten auf den Hals zu jagen. Jedes Land arbeitet darum, so wenig Flüchtlinge wie möglich aufnehmen zu müssen, weil die Wähler es so wollen. Am Ende versinken wir in einem Haufen Bürokratie anstatt schnell zu helfen und weitere 1000 Tote sind ertrunken.

Und wer ist Schuld am Tod der Menschen? Wir alle: Denn wir müssen aufbegehren, uns gegen die gefälligen Entscheidungen der Politiker stellen und NEIN sagen. Nein, zu Mauern, dem schnellen Abschieben von Flüchtlingen und dem ewigen wegschauen.

Sonntag, 12. April 2015

Kein Interesse an euch

Ich besitze nicht mehr das Interesse an euch. Mir missfällt der Gedanke noch länger zu versuchen euch Dinge aufzuzeigen die euch weder gefallen, noch die ihr verstehen wollt. Amüsiert euch weiter, ihr kleinen Affen im Zirkus der Wollust und tanzt. Tanzt auf dem Seidenfaden eines Vulkans und balanciert bis ihr in das Blut stürzt und werdet Teil des Zyklus, aus dem Marionettenschnitzer, Tropfen der vermischten Tusche nehmen um weiter, gleiche, marionettenhafte Menschenwesen zu bilden.

Dienstag, 7. April 2015

Das Herz

Diese Geschichte handelt um Liebe. Doch sie beschreibt nicht die Weisen der Liebe, sondern den Weg der Vergessenen auf ihren Weg zum Licht.
Liebe mich dann, wenn ich es am wenigsten verdient habe, denn dann brauche ich es am meisten.  - Helen Keller
Dieses Zitat stammt vom 22.02.15


Das Herz

von Florian Heise


Diese Geschichte widme ich Florian Friedrich


Das Herz - Was willst du, Gestallt?

Nein! Ich bitte dich, flehe dich an. Nimm es mir nicht. Diesen kostbaren, goldenen Schatz, der mein Innerstes spiegelt. Zu lange suchte ich danach, um ihn wieder zu verlieren. Was willst du, Gestalt, von mir? Warum bist du hier und nicht dort, bei den anderen? Den nicht Liebenden? Wieso suchst du mich, du Ungeheuer der Nacht, du Albtraum im Schlaf, mich Heim und begegnest mir an meinen schwächsten Tagen? Ich will dich nicht, wollte dich nie und doch überfällst du mich wie die Lawine einen Bergsteiger überraschend verschüttet. Begraben unter den Massen der Schneegewalt liege ich und fühle mich erdrückt. Atme deine verbrauchte, alte Luft auf. Sterbe innerlich vor Sehnsucht nach Freiheit, doch kann nicht gehen, nicht verlassen, nicht neu beginnen. Denn du umgibst mich. Verbrauchst mich. Ich verliere mich in dir. Die Dunkelheit unter den Bergen von Schnee erfüllt mich mit Angst. Unsicher und verloren fühle ich mich. Wieso nimmst du es mir? Ich habe nichts, scheine nie etwas gehabt zu haben und kann mich nur noch an Bruchstücke der damaligen Freude erinnern. Doch dort ist nichts, war nichts, kann nichts sein. Denn du hast ein Loch in mich geschnitten, mich ausgehöhlt, so wie man den Rest einer Dose auskratzt. Du hast es mir genommen, doch willst es nicht für dich. Dir ist egal was damit passiert. Dich kümmert mein Leben nicht, du nimmst, weil du willst.  
Und dann verwirfst du es. Schmeißt mein Herz über den Steg in den schwarzen Ozean. Ich falle. Entkräftet und ohne Sauerstoff, falle ich zu Boden. Versuche, das Herz, zu retten. Doch es ist zu spät. Schon zu tief gleitet es hinab. 


Das Herz - Hurrikane

Ich sinke. Herausgerissen aus dem Leib umgibt mich salziges Meerwasser. Zu verätzen scheint meine Hülle, umgeben und angegriffen von tausend salzigen Tränen. Er liebte mich, verehrte mich, gab mir Anerkennung und Wertschätzung. Er brachte das Beste von mir zum Vorschein. Nun bin ich ein körperloses Herz unruhig treibend im Ozean. Ich bin nicht mehr von Bedeutung, habe niemanden. Der Schein, der über mir so hochstehenden Mittagssonne wird abgefangen vom trüben Wasser des Meeres. Immer ferner scheint das Licht am Ende, von dem ich kam. Doch ist das mein Ende noch nicht gekommen und der Weg führt weiter, tiefer. An den Fischschwaden vorbei, die von gierigen Haien gejagt werden. Fischfutter sind sie, mehr nicht. Ein Teil in der Kette des Lebenskreislaufes, so wie ich eines sein sollte. Doch das bin ich nicht. Denn ich treibe umher im dunkelblauen Wasser der Endlichkeit. Und ich spüre, die Endlichkeit. Meine Begrenztheit. Dort oben liegt die Hülle meines damaligen Ichs. Doch nun bin ich nicht mehr dort oben, nun bin verloren, in nie zuvor gewesenen Weiten. Ich kann nicht loslasse. Kann nicht über mich verfügen denn ich gleite wie eine Feder die von dem Wind immer weiter getragen wird, höher und höher schwebt, ungebändigt. Doch das bin ich nicht, denn ich sinke tiefer und die Strömungen bewegen mich immer näher an einen Strudel der alles aufsaugt. Ein schwarzes Loch, das alles in sich verschlingt, keinen einzigen Lichtstrahl mehr hindurch lässt. Immer näher reißt es mich an den Strudel und ehe ich mich versehe bin ich schon mitten im Auge des Unterwasserhurrikane aus Fischkadavern und Algenresten. Aus Plankton und Muscheln. Aus Haien und Fischschwaden. Es gibt keinen Feind mehr, alle Feinde die geschaffen wurden sind entkräftet, denn nun zieht uns der Strudel in seine Mitte. Alle werden sie sie verschlungen und drehen sich immer weiter ein auf den Grund des Bodens. Und ich versuche zu entfliehen mit all der mir gegeben Möglichkeiten, doch ich schaffe es nicht und lasse mich einkreisen von den anderen Überresten der Lebewesen. Mein Blick wird starr und richtet sich nach außen. Weiter im Sog schaue ich in die Ferne. Erkennen, kann ich kaum etwas. Doch scheint mir der Blick nach außen die Illusion von Rettung zu geben und als hätte man mich erhört sehe ich einen kleinen, beinahe, im schnellen Kreisdreh der Gezeiten, unscheinbaren Fisch. Er sieht gewöhnlich aus, wie all die anderen Fische, doch gibt einen Ton von sich der so liebreizend ist. Weiter. Schneller. Schneller. Ich kann ihn nicht mehr sehen, er ist verschwunden, war es doch nur eine Vorstellung? Waren es meine Gedanken, die mir einen Streich spielten. Ich weiß es nicht, ich drehe mich. Mir wird schwindlig, schlecht.


Das Herz - Kristall

In der Mitte angekommen drücken die anderen Kadaver auf mich. Erdrücken mein, schon zutiefst durch Salzsäure verätztes, Gewand aus Hoffnung. Und als meine Kräfte schwinden und mir der Wille zu überleben versagt drückt es mich durch einen kleinen Spalt. Eine rundförmige Lochöffnung des steinharten Kliffs. Da der Druck von oben zu groß wird quetscht es mich immer mehr in das zu enge Loch, reißt meine Schale auf und presst mich durch die Öffnung. Ich bin entkommen, dem Tod entronnen. Doch was ist nun? Wohin gelange ich? Der Fall in dem nicht aufhörenden Weg des Wassers scheint unendlich. Doch die vorher mir erscheinenden Lebewesen sind nun gänzlich verschwunden. Hier ist nichts. Keine Pflanze, kein Partikel, kein Fisch und keine Räuber. Der Ort an dem ich mich befinde ist so leer wie meine Gefühle es sind. Doch was bedeuten schon die Gefühle im Angesicht der blutenden Wunden. Die rote Flüssigkeit zieht streifen und ich kann, wenn ich zurück schaue, was ich nicht gerne mache, meinen Leidensweg erkennen. Doch ich verblute nicht, denn als immer mehr Blut schwindet, scheint das Salz in die Wunden zu binden, scheint sie zu schließen. Die Streifen schwinden und es geht mir besser. Ich fühle mich: Gut, wohl. Es schmerzt nicht mehr. Doch umso mehr die Schmerzen nachlassen und sich mein Gefühlszustand verbessert umso mehr Salz verharrtet sich in das rostfarbene Fleisch. Ich scheine mich zu ändern, neu zu formatieren. Die Weichen stellen werden hart, gläsern. Werden zu: Kristall umgibt den Rest der verbliebenen roten Membranstellen. Doch nicht nur äußerlich verändere ich mich. Auch innerlich erstarre ich, werde aus kristallförmigen Glassplitterstücken neu zusammengesetzt. Bin Transparent. Unantastbar und doch brüchig wirke ich. Nichts wird mich mehr verletzen können. Kein Schaden kann mir hinzugefügt werden. Doch ich freue mich nicht darüber, empfinde die Gefühle nicht. Ich empfinde keine Gefühle.


Der Fisch

Versinkend komme ich an einem Kliff vorbei auf dem ein Schiff vor Jahrzehnten gestandet haben musste. Von Moos bedeckt und der Lack vom Zahn der Zeit abgenagt und mit Rost bedeckt, blicke ich in meine Zukunft. Auf dem Meeresboden werden ich liegen, bedeckt Algen, abgestorbenen Fischen und Erdschichten, denn ich kann nicht vermodern, so wie die im Lebenskreislauf eingebundenen Wesen, ich bin nicht mehr aus Fleisch und Blut. Als Kristall so verlockend wie nichts anderes, scheine ich eine Anziehungskraft abzustrahlen. Denn hier unten, wo sonst nichts ist, begegnet mir wieder der unscheinbare Fisch. In Kreisen nach unten drehend gleicht er sich an meine Fallgeschwindigkeit an und begleitet mich. Jetzt, wo ich klarer sehen kann, sehe ich trotzdem nicht viel. Ein grauer, kleiner Fisch. Doch dieser betört mich mit unheimlich wunderschönen Klängen, die ich so noch nie gehört habe. Die Töne erinnern mich an meine Hoffnung, die damalige und nun verschwundene Willenskraft. Doch was soll ich hier unten schon wollen? Wie sollte ich auftreiben? Rumps! 

Meeresboden

Aufgeprallt. Ich liege auf dem Meeresboden, bin angekommen am Ende meiner beschwerlichen Reise. Licht kann ich keines mehr erkennen. Die Umrisse der Gesteinsformationen sind nur noch Schemenhaft. Der Fisch an meiner Seite, sich im Kreis über mich bewegend, singt immer noch. Ihn scheint die Leere nicht zu stören. Meine Anwesenheit ist ihm genüge. Nach weiteren Stunden meiner Tatenlosigkeit erhellt er das Wasser mit einer kleinen, an seinem Schwanz befestigten Leuchtkugel. Er schenkt mir Licht und Aufmerksamkeit, doch kann ich ihm nichts entgegenbringen. Ich habe weder die Möglichkeit mich ihm Bemerkbar zu machen, noch kann ich ihm Dankbarkeit zeigen, denn ich bin ein Kristall. Ein durch das Licht hell reflektierender in Regenbogenfarben schimmernder Kristall als Herzform. Ich verübe einen unheimlichen Reiz aus, wie es mir scheint, bin der einzige Kristall Meilenweit entfernt von anderen Kristallen. Sie tummeln sich in den Gebirgsketten und den Felsen des Meeres, doch hier ist nichts. Entleert von allem erfülle ich die Leere.

Diese Geschichte wurde bereits am 22.02.2015 begonnen, mit vorgesehener Widmung und eigentlichem Ausgang. Ab hier handelt es sich um die Zeit des 07.04.2015

Schwerelos

Die Schallwellen der währenden Musik des summenden Fisches durchströmen fortan, mich, das Herz aus Kristallen. Wochen und Monate vergehen, während sich vermutlich die Sonnenscheibe hebt und senkt. Doch erkennen kann man von hier unten nichts und das Gefühl über Raum und Zeit habe ich verloren. Ich denke nach, fühle die damalige, warme Zeit. Doch umso länger ich liege um so mehr kühle ich ab. Und die Erinnerungen treten langsam in Vergessenheit. Der Geruch der Gestalt verschwindet, das Antlitz wirkt fad und unsympathisch in meinen Gedanken. Und auch bei der Vorstellung das Wesen wieder zu sehen, fühle ich keine Wärme. Denn mir ist vieles bewusst geworden, Dinge, die ich nicht erkannt habe. Und zusammen mit der Musik des summenden und singenden, leuchtend strahlenden Fisches, bricht: der Kristall. Eine Welle aus Wärme und Fröhlichkeit überkommt mich. Der Kristall beginnt zu splittern und ab zufallen. Immer roter wird das Herz, die Venen scheinen wieder durchblutet zu sein. Ich fühle mich frei, ungebunden, nicht mehr gefangen von seiner Anwesenheit. Nicht mehr verloren und nicht im Nichts versunken. Und nach Wochen der Ruhe gelangt ein Strudel zu mir und treibt mich fort. Wie auf einer Welle lässt er mich weg fließen, weit weg von allem bekannten zu neuen Ufern. Doch ich habe keine Angst mehr, ich freue mich neues zu Erleben, auch wenn ich nicht weiß wie es Enden wird. Und den Fisch? Den lasse ich alleine. Ich wünschte ich könnte ihn mitnehmen, doch er kommt nicht hinterheer, zu schnell scheine ich durch das Wasser zu gleiten. Und das Licht versiegt und die Musik verstummt, als schien meine Abwesenheit ihn zu beeinflussen. Doch ich kann nicht zurück, an jenen Ort der Traurigkeit. Ich muss, nein, wir müssen schauen voraus zu denken. Auch wenn es ein Fehler sein mag, können wir Entscheidungen nicht beeinflussen, denn die Gegenwart schreibt sie und um sie abwägen zu können müssten wir in die Zukunft schauen. Doch wir leben im jetzt und das Leben geht voran.


Samstag, 4. April 2015

Über das Unvermögen der deutschen Bevölkerung #1




















Heute schreibe ich das erste mal über das Unvermögen der deutschen Bevölkerung. Eine Reihe von Erfahrungen und Erlebnissen die ich machen musste und die mich an der deutschen Mentalität stören. Denn ich hasse Deutsche obwohl ich deutscher bin und eigentlich hasse ich nicht nur die Sitten zum Griff zur Bratwurst in der Innenstadt für den schnellen Hunger, obwohl Onkel Gerd an seinem Stammtisch im Wirtshaus bereits vier Klöße vertilgt hat, oder das andauernd Meckern über die Preissteigerung im Einkaufsladen. Seid doch froh, dass wir überhaupt einen Shopping-Mal besitzen. Doch heute soll es um die Verweigerung der Deutschen zur Bildung gehen. Ich war shoppen wie man am Bild oben sehen kann und habe mir in einer Buchhandlung Bücher zugelegt, welch Wunder. Leider wohne ich in einem Kaff mit ca. 20.000 Einwohner und die Auswahl an Büchern ist nicht wirklich groß.. Also eigentlich ist sie sogar sehr groß, dass Problem sind die Bücher an sich. Umgeben von Belletristik suche ich bereits beim Eintreten nach den Überschriften und Bezeichnungen der jeweiligen Abteilungen. Romane, Besteseller, Jugendbücher, Belletristik, etc. Mein Gang durch den Buchladen und Blick zwischen jedes Regal und auf jede Beschriftung brachte keinen Erfolg. Nirgends war eine Abteilung für "Dramen", oder "Klassiker", zu finden. Anstelle davon aber Religion, Gartenarbeit und Kochbücher.

Die Suche führte mich an den Rand der Verzweiflung und ich wollte bereits das Buch von Joachim Llambi nehmen, reinspucken und die Verkäuferin mit "Das wollte ich schon immer sagen", anschreien und wutentbrannt aus dem Laden rennen. Doch weil mein Gemüt und die Erziehung mir solch Taten untersagen, ging ich freundlich und gut gelaunt zur ihr, lächelte sie an und fragte nach den Abteilungen. Ich wurde nur auf die Reclam Hefte verwiesen, wenigstens ein Lichtblick! Doch auch hier gibt es nur die Klassiker und leider ist man schnell durch, da mir die meisten Stücke bereits bekannt waren. Schnell war ich fündig, bezahlte und verließ so schnell wie möglich den Laden.

Das Problem ist, dass ich nicht nur Deutsche, sondern Menschen hasse. Ja, ich bin Menschen Feind und manchmal hasse ich auch mich selbst, wobei das selten ist, da ich sowieso viel besser bin als ihr.. aber das ist ein anderes Thema. Warum zum Geier taucht in den Bestseller das Buch "Zwetschgendatschikomplott: Ein Provinzkrimi" auf. Achja.. weil Menschen dumm sind. Sie lassen sich nicht bilden und wollen sich nicht bilden lassen. Bereits Tante Ulla sagte, dass lesen wichtig ist. Blöd nur, dass sie sich die neusten Provinzromane und Frankenkrimis zu Gemüte führt. Einen Mehrwert gibt es nicht, außer, dass sie mit ihren 50 Jahren der Rechtschreibung vermag fähig zu sein. Doch noch schlimmer sind nur Utes. Ute ist die Bezeichnung der Supermuttis des 21. Jhr. Immer auf der Hut vor Dreck und schmutz umsorgt sie ihr Kind und schickt es vom Klarinetten-Unterricht, zum Schwimmen und bereits im Auto auf dem nach Hause weg werden die Hausaufgaben angefangen, während sie neben dem Fahren ihrem Kind eine Käsestange in den Mund drückt, dass es Daheim bereits gegessen hat und die Lateinvokabeln eingepaukt werden können. 

Diese Supermutti kauft ihrem Kind Jugendbücher und liest selbst Romane der Untersten Kategorie. Und hier kommt gleich der nächste Kritikpunkt unserer verkomennen Gesellschaft: Jugendbücher.
Nehmen wir an die Jugend endet nicht wie in Deutschland mit dem 18. Lebensjahr, wenn die Teenager sowieso noch nicht ausgereift sind, sondern mit dem 21. Lebensjahr. Man hat also mindestens neun Jahre mit Jugendbücher vergeudet, in denen man hätte sich bereits bilden können. Mir ist klar, dass einem zwölfjährigen Mädchen Pferdegeschichte noch zusagen und gut ankommen. In der Pubertät werden Geschichte über Jungs ihren Reiz auf das Teenager-Girl haben, aber irgendwann ist auch mal Schluss. Die Realität ist hart, Leon wird nie an der Haustür klingeln und nach einem endlosen Liebesdrama mit einem Strauß rosen zum Fenster hochklettern, vergiss es einfach und ließ Faust 1!

Und damit verabschiede ich mich und widme mich wieder den wichtigen Dingen im Leben.. Sims 4.

PS: Ja, das unterste ist das BGB und es liegt nur dabei, weil der Stapel größer ausschauen soll :P

Samstag, 21. Februar 2015

Fernweh nach der Heimat

"Mein Kulmbach lob' ich mir, es ist ein klein Paris und bildet seine Leute."
Die Reise ist beendet und ich sitze wieder in meiner Heimatstadt. Als ich am Donnerstag in den Zug eingestiegen bin und auf der Strecke bis Dresden das Erzgebirge bewundern durfte, freute ich mich über diesen Anblick, eine neue Facette von der Landschaft Deutschlands und so nah (wenn auch nur im Zug sitzend), sehen zu dürfen und empfand es als bereichernd. Sonst bekommt man Tag ein Tag aus immer das gleiche mit, die gleichen Gesichter mit den ewig gleichen Landschaften, auf die man schon nicht mehr achtet, weil sie scheinbar uninteressant geworden sind. 

Also sitze ich weiterhin im Zug, steige zwischendurch in einen Neuen und meine Strecke geht weiter und immer weiter. Auf dem Weg nach Zittau änderte sich dieser idyllische Anblick dann zunehmend. Die gerade noch so imposant, mir fremd scheinende Landschaft, war leer. Die Passagiere stiegen aus dem Zug aus und es wurden immer weniger und weniger. Bis nur noch ich und ein Frau hinter mir in meinem Abteil saßen. Ich las die Ortsnamen vor der rettenden "Metropole". "Hildesheim", "Oberoderwitz Oberdorf", "Oberoderwitz", "Niederoderwitz". Eine Stadt schien nicht in der Nähe und seit Dresden war ich an keinem Ort über 1000 Einwohner vorbeigefahren. Mich immer näher an die Grenze annähernd und ohne weitere Passagiere verlassen im Zug sitzend bekam ich es mit der Angst zutun. Ist dies alles nur ein böser Plan und möchte man mich in die tschechische Republik verschleppen? Aber nein: Zittau. Der Verdacht war somit also komplett aufgelöscht und ich kam an. In eine Stadt im Nirgendwo, wo nichts ist außer: Zittau.

Was ist Zittau eigentlich? Stadt von Welt, die Heimat eines berühmten Künstlers, Universitätsstadt Nummer eins? Wohl nichts von all dem. Ich würde es eher als "Metropole des Ostens" bezeichnen. Des östlichen Ostens. Also des Ostens, wo einfach nichts mehr ist außer.: Zittau. Und genau hier liegt das Problem. Sobald man Dresden verlässt und sich der Grenze annähert fühlt es sich an, als würde man die Zivilisation verlassen. Deutschland den Rücken zukehren und ins Nichts fahren.

Doch was genau ist in Zittau eigentlich? Die Stadt an sich, hat ohne Frage, wunderschöne Plätze. Diese Sehenswürdigkeiten werden jedoch durch den Kontrast der verfallen Hausruinen einer Stadt gebrochen, die ihren damaligen Glanz verloren hat.

Diese Erfahrung in allen Ehren, doch erkannte ich was Heimat ist. Ein Begriff, für mich nie definiert und scheinbar unwichtig, hat nun Form erlangt. Denn innerhalb von sechs Stunden in einem anderen Bundesland, mit einem neuen Dialekt, am Ende Deutschlands und der Grenze so nah zu sein, hat mir gezeigt, dass ich mit meinem kleinen, oberfränkischen Kulmbach zufrieden sein kann und froh bin wieder hier zu sein, auch wenn mich die Reise um einige Erfahrungen reicher gemacht, meinen Horizont erweitert und einen guten Freund hinzugefügt hat.

Donnerstag, 19. Februar 2015

Er hat mich getötet - Die Wiedergeburt

Licht. durchflutet den transparenten Körper des Wesens. Abgesondert von den unendlich weitreichenden Marmorplatten erhellt es das, mit farbdurchfließenden Venen durchdrungene, Objekt. Der sich im Wechsel an den weißen Säulen bunt-, spiegelnde Schimmer, überflutet die Unendlichkeit mit Farbenpracht. Ruhe durchströmt es. Sich von dem Wesen weit entfernt befindende Materie kommt in rhythmischem Muster, wie von Musik getragen, darauf zu. Die blau leuchtende und von Kraft erfüllte, masselose Aurora geht zu dem Wesen über. Umgibt es. Durchdrungen von Energie implodiert die pulsierende Masse.

Leben. überschüttet das Wesen. In einem Tal umgeben von den höchsten Bergen und tiefsten Seen befindet es sich bei weiteren, gleichen Kreaturen, die in Reihen hintereinander durch die vollendete Natur schweben. Der grün leuchtende Flusslauf durchzieht die Gegend und färbt die Wälder mit einem nie zuvor gesehenen Schimmer. An den Seiten des Flusses strecken sich blaue Bäume, befleckt mit weißen Blüten und durchzogen von grünfunkelnden Adern. Es scheint als würden sie ihre Wurzeln dem Flusslauf entgegenstrecken und das strahlende Wasser nimmersatt aufsaugen. Auf dem Grasboden des Ufers rekeln sich singende Blumen und geben den Takt der Gestalten an. Doch die einst schwarz und von Nebel bedeckten Schattenwesen erscheinen nun in einer transparenten Farbpracht. Losgelöst von allem weltlichen. Die unruhig wandelnden Wesen sind zu ruhenden Elohim geworden.

Die melodischen Klänge aus Natur und Lebewesen fusionieren zu einem Klangbild, reizend wunderschönen Klangmelodie. Zeit und Raum scheinen vorhanden doch von Irrelevanz. Weiter fließen die Gestalten wie Moleküle des Wasser im Flusslauf. Alles um sie herum scheint von Rhythmus durchzogen. Alles scheint einfach, frei. Gebrochen. 

Und nun stehen sie hier. Vor einem Weg und dessen sich vor dem Baum befindender Gabelung. Eine Richtung geht nach unten. Alle Elohim, die diesen Weg bestreiten, werden zu Schattenwesen. Verspüren die Qualen der Menschlichkeit, der Begrenztheit und des Wissens über die Begrenztheit des Menschen. Auf der anderen Seite, nach oben, in das Unendlich. Die diesen Weg bestreitenden Gestalten können in der Ferne nur noch schemenhaft gesehen werden, scheinen sich jedoch auf zu lösen. Gehen über.


Doch wieso entscheiden sich die Kreaturen für den schattenhaften, dunklen Weg. Kehren wieder. Durchleben. Kreislauf. Endlos. 

Mittwoch, 18. Februar 2015

Menschenfremd

Eigentlich schreibe ich gerade an meiner letzten Geschichte um meine Gedanken zur Liebe zu vollenden. Doch bin ich gerade nachdenklich, habe Ferien und den Luxus mir die Zeit nehmen zu können, mich einfach in mein Bett fallen zu lassen und dort unter den funkelnden Lichtern der Kette zu verharren, zu schreiben und mich von Musik betören zu lassen.

Ich denke in letzter Zeit viel nach und besonders über Menschen und deren Verhalten. Wir alle wissen, dass wir uns in Menschen täuschen, sie falsch sein können, Ehrlichkeit bedingt und nichts vollkommen an unserem Wesen ist. Doch ist mir aufgefallen, dass Bildern von mir damals bekannten und sehr am Herz liegenden Personen nun so fremd auf mich wirken. Der Zauber der Person und die Gefühle zu diesem Menschen sind vergangen. Als hätte man die gemeinsame Zeit ausradiert, bleiben nur noch die Erinnerungen wie Chats, eigene kleine Einträge in Poesiebüchern, oder Bruchstücke von Erinnerungen. Doch schaue ich auf das Foto, sehe ich die Person nicht mehr vor mir. Ich sehe eine Seelenlose Hülle von einem Menschen, der er mal war, aber nicht mehr ist.

Was mir das Weiterbringen soll es hier auf den Blog zu schrieben, das weiß ich nicht. Ich glaube, nichts. Aber vielleicht vergesse ich auch diesen Gedanken wieder und erfreue mich, ihn irgendwo verewigt zu haben, wenn ich schon nicht die Menschen verewigen kann.

Montag, 16. Februar 2015

Er hat mich getötet - Das Leben

Du erbaust es, erschaffst ein Zimmer umgeben von deinem als Wand fungierenden Wesen,  das von deinen eckpfeilerartigen Armen getragen wird. Der warme Atem erhitzt den Raum und umgibt meinen nackten Körper. Zulange schon liege ich dort, in der Kälte; um noch länger zu warten fehlt mir die Zeit. Du erscheinst und kommst gerade Recht, um mich zu retten. Deine über die Klippe reichenden Arme ziehen meinen mit Wunden versehrten Körper von der Schlucht hinweg, auf den rettenden Wüstenboden. Die Decke, erbaut aus deinem Wortwitz, Humor, der Selbstsicherheit, den saphireblauen Augen, deinem Charakter, beschützt mich vor allen Wellen die mich versuchen von dem Kliff zu reißen. Nichts kann mir schaden, ich fühle mich bei dir geborgen.

Wir liegen in einem Bett, mein Liebster, umgeben von kleinen runden Punkten, die ein dämmerndes Licht absondern. Seidentücher umgeben unseren aneinander geschmolzenen, von Wärme umwickelten Körper. Gegenüberliegend atmen wir die Luft des Partners ein und spüren dessen Nähe, wie zwei Personen, die zu einem verschmolzenen Ganzen fusionierten. So nah beisammen spüre ich deine Wärme und lege meinen Kopf auf deine Brust. Ich fühle dich. Der Rosenduft durchströmt meine Synapsen und wird von dem Kopfkissen aufgesogen, das mich noch die ganze Nacht an dich erinnern soll. Doch diese bricht nicht herein, denn wir tanzen auf der Straße unter den, in den Baumkronen hängenden, Lichterketten, in der nicht endenden Dämmerung. Siehst du, mein Liebster, dort drüben. Die von der Sonne lila angeschienen Wolken am Horizont? Siehst du links von uns, die Schattenwesen, zu Gast auf unserem Fest, nur um unser Glück zu sehen? Und kannst du den gedeckten Tisch mit unseren Leibspeisen inmitten der Menge sehen? Du, ewig blühender Enzian, vermagst es mich mit Rauch zu bedecken. Deine Arme sind es, die mich in den Schlaf gleiten lassen und dein voller Mund ist es, der mich durch einen Kuss auf die Stirn am Morgen aufwachen lässt. Ich spüre deine Liebe. So vage dieser Begriff auch erscheinen mag, so sehr kann ich ihn doch fühlen. Auf einem Garn über dem brodelnden Vulkan jonglieren wir wie zweitklassige Artisten mit unseren Problemen. In die Feuersglut fallend entzünden wir unsere Herzen und lösen uns auf.

Körperlos strömen wir durch Raum und Zeit. Bedeutungslos scheint uns das Geschehen auf der Welt. Wir ziehen vorbei an den von Menschenmassen überfluteten Straßengassen. Spiegeln unsere Seele in den Wolkenkratzern der Metropole und erkennen einen Unterschied zu den anderen, den nicht Liebenden. Verlorene Hüllen auf ihrem Weg zum Glück. Doch wir haben uns. Wollen uns. Brauchen uns.

Ich bin nicht. Du bist nicht. Wir sind eins. Ein Teil des Ganzen und so Verworrenen nicht Durschaubaren. Komm mein Liebster, lasse uns, uns aufgeben. Aufgelöst lassen wir uns nieder zu unseresgleichen. Werden einzelne, kugelförmige Tropfen des tiefblauen Ozeans.



Sonntag, 15. Februar 2015

Er hat mich getötet - Der Tod

Ich befinde mich in absoluter Dunkelheit. Schattenwesen umgeben die Aura meines verbliebenen Ichs. Doch bin ich nicht mehr, ich war. Und was ich bin, das weiß ich nicht. Denn ich sehe mich nicht. Ich fühle mich nicht. Ich liege. Auf einem Altar vertrockneter, schwarzer Rosen mitten in einem Saal vollendeter Finsternis. Stille. ertönt die endlosen Hallen, begrenzt von ineinander verflochtener Stangen verworrener Gedankenstränge. Licht. blendet meine von der Schwärze sensibilisierten Augen, doch ich fühle keinen Schmerz. Meine Nerven reagieren nicht. Sie sind dort drüben, weit entfernt, Teile der verflochtenen Mauer die mich begrenzen.

Auf einer Allee im Hochsommer laufe ich, ohne zu wissen wer mich führt. Ich schreite immer weiter und erblicke den Umriss einer Person. Ein Mann steht regungslos inmitten der Straße. Ich erfreue mich seines Anblickes, so weit entfernt scheint er mir doch so nah. Ich kenne ihn, obwohl ich ihn nicht erkennen kann. Mit schnellen Schritten nähere ich mich ihm und seiner Anziehungskraft, wobei mir die Gründe meiner zu tiefsten Vertrautheit nicht bewusst sind. Ein Hauch von Rosenduft wird durch den lauen Sommerwind aus seiner Richtung zu mir geweht. Immer schneller versuche ich zu ihm zu eilen. Nach einigen Schritten auf dem warmen Asphalt erkenne ich mehr von seiner Silhouette, doch scheine ich mich geirrt zu haben. Kenne ich ihn? Ein Blick in die Umgebung zeigt mir, dass die Bäume keine Blätter besitzen. Doch lasse ich mich nicht beirren und schreite weiter, zurückhaltender als zuvor. Langsamer, vorsichtig. Nähere ich mich der Gestalt. Die untergehende Scheibe am Horizont verdunkelt meine Gedanken. Weder Wärme noch Geborgenheit sind spürbar. Angstvoll, fürchtend. Taste ich mich voran. Vor der Gestalt anhaltend schaue ich in deren Gesicht. Sie besitzt Ohren, volle Lippen und kurzes, blondes Haar. Meine Angst scheint unbegründet gewesen. Ein zweiter Blick. Trotz des regungslosen Ausdruckes und der Gefühlslosigkeit, scheint es unverändert. Eine weiße, reine Haut schmeichelt den Gesichtszügen. Ein dritter Blick. Leblos. Alles mir bekannte scheint verschwunden. Eine leere Hülle erscheint. Trotz der menschlich anmutenden Züge, es fehlt etwas. Seine Augen. Ich sehe in die von Schwärze erfüllten Ausbuchtungen. Dunkelheit.

Alleine? befinde ich mich wieder inmitten des raumlosen Ortes. Die vorher als Altar erscheinende Liegefläche  entpuppt sich als metallener Seziertisch auf deren Ablage das Skalpell bereitliegt, vorhergesehen zum aufschneiden meines Körpers. Mit Fesseln angekettet und die Augen zum Offenhalten eingespannt schaue ich geradeaus. Das mich blendende Licht ist verschwunden. Doch erkenne ich zwei mich von oben, in der Luft schwebende, anstarrende Augen. Wehrlos gebe ich mich der Gestalt hin, die Dauerhaft bei mir zu sein schien. Mit dem Herz in der Hand verschwindet er. Bricht. die Gedankenketten. Löst: Den Raum. Er hat mich getötet.